„Wenn du willst, werde ich drei Hütten bauen“

Manuel Liniger erklärt, warum Jesus keine Kleingruppe auf dem Berg der Verklärung gründet.

Ist es nicht genial, wenn man zu einer Kleingruppe gehört, wo man verstanden wird, wo einer den anderen trägt und tiefe Gespräche stattfinden? Wo das Zusammenspiel von Gemeinschaft, im Glauben wachsen und Anbetung einfach passt? Ein Ort zum Verweilen, wo man sich wünscht, dass man immer so zusammenbleiben kann.

Es hat sicher viele Vorteile, wenn man in einer solchen Gruppe unterwegs ist, und das kann für einen gewissen Zeitabschnitt richtig sein, doch ich möchte etwas provozierend behaupten: Es ist nicht Jesus-Style.

Ich denke, Petrus und die zwei anderen Jünger, die mit Jesus auf dem Berg der Verklärung (Mt 17) gewesen sind, hätten sich auch am liebsten dort niedergelassen, als Mose und Elija erschienen – in der Gemeinschaft einer christlichen Elite. Wow, was für eine Zusammenstellung! Wer möchte da nicht dabei sein? Ich bin mir sehr sicher, dass die Jünger ein paar Fragen an Elija und Mose gehabt hätten und dass sie einiges hätten lernen können.

Doch Jesus wollte nicht dort bleiben, er hatte einen anderen Auftrag. Natürlich liebte er die intensiven Gespräche mit seinem Vater, wo er auftanken konnte, Rat und Weisungen bekam. Aber dann ging er immer wieder zu den Kranken, „Unheiligen“, Ausgestoßenen, Unterdrückten, besessenen Personen und begegnete ihnen in seiner unaufhaltbaren Liebe.

In meinem Job als Pastor begegne ich immer wieder Menschen, die am Rand der Gesellschaft sind, die niemand in sein Team wählen würde und besonders nicht in eine Kleingruppe. Um genau diese Personen zu integrieren und immer wieder neuen Wind in die Kleingruppen zu bringen, teilen wir die Personen den Kreisen zu, auch rufen wir potenzielle Leiter heraus und ermutigen sie, neue small groups zu starten. Wir übernehmen so die Verantwortung, dass dieser Prozess (immer wieder vom Berg hinuntersteigen) möglichst nie aufhört, aber es ist auch unsere Verantwortung, die Leiter zu schützen und ihnen in ihrer Aufgabe zu helfen.

Meine Frage an dich: Könnte es sein, dass in deiner Kirche oder Umgebung genau solche nicht gewählten Personen sind,die gerne auch in deine Kleingruppe kämen? Oder wäre esfür euch als Gruppe dran, mehr Platz für andere Menschen zu schaffen, damit ihr ihnen mit der unaufhaltbaren Liebe Jesus begegnen könnt? Ich möchte dir Mut machen, vom Berg zu steigen, auch auf die Gefahr hin, dass sich alles ändert in der Kleingruppe! Du wirst gebraucht!

liniger_hkm_400Manuel Liniger ist Leiter der Kleingruppenarbeit in der GvC Chile Hegi in Winterthur.