Hauskreis am Lebensende

Marga Hass erlebt eine Gruppe, die einen Teilnehmer verabschieden musste.

Ich habe ganz überwiegend mit Hauskreisleiterinnen und -leitern zu tun, die überlegen, wie ihre Gruppe lebendiger werden kann. Nun habe ich eine Gruppe kennengelernt, die sich einer ganz anderen Aufgabe gestellt hat. Auf den ersten Blick geht es hier nicht um Wachstum, sondern um Begleitung, Unterstützung und Integration. Die Gruppe besteht aus vier Berufstätigen, dazu kommt eine sehr nette Frau, die behindert ist, und ein Ehepaar, das sich in der letzten Phase seines Lebens befindet. Dieser Hauskreis hat mich enorm beeindruckt in seiner Treue, in seiner Flexibilität, und ich habe auch in den Menschen ein Reifen und Wachsen wahrgenommen, das mich überrascht und ergriffen hat.

Das Seniorenpaar war zunächst Gastgeber des Kreises und stand für den einen oder anderen Teilnehmer auch seelsorgerlich zur Verfügung. Doch dann standen die beiden vor derFrage, ob es ihre gesundheitliche Entwicklung noch zuließ, dass sie in der eigenen Wohnung bleiben konnten. Es fiel ihnen sehr schwer, ins Pflegeheim zu wechseln, zumal sie selbst den Eindruck hatten, dass sie zu Hause noch klarkommen würden. Doch die Leute aus ihrer Umgebung sahen das anders. Der Hauskreis war in dieser Zeit Trost und Halt und stand ihnen betend zur Seite. Es hat mich sehr beeindruckt, dass der ganze Hauskreis vorschlug, mit „umzuziehen“ und sie sich weiterhin – im Pflegeheim – trafen. Der Inhalt und Ablauf des Hauskreises passt sich jeweils den Möglichkeiten des schwächsten Gliedes an. In der letzten Zeit werden die Losung oder ein paar Verse aus der Bibel gelesen, ein paar Kirchenlieder gesungen und es wird miteinander und füreinander gebetet.

Letzten Monat ist nun der Senior gestorben und noch am letzten Lebenstag schaute eine Frau aus dem Hauskreis morgens bei ihm im Heim vorbei, um ihn zu besuchen. Es war nicht mehr möglich, viel zu reden, aber er hat offenbar zugestimmt, dass sie ihm ein Lied vorsang und mit ihm gebetet hat. Eine andere Frau konnte kaum ertragen, dass die demenzielle Entwicklung und der körperliche Verfall stetig zunahmen, und sie erlebte das Beisammensein oft unter Tränen. Auch das hat sie sich zugemutet und ist daran gereift, obwohl es ihr sichtbar schwerfiel. Und selbst jetzt kommen sie noch regelmäßig und treu zu der Witwe. Was für eine Liebe und Hingabe hier gelebt wird, ist für mich über die Maßen beeindruckend. Ein Hauskreis, der füreinander da ist, bis zum Tod. Das ist noch mal eine ganz besondere Qualität eines geistlichen Miteinanders.

Marga HassMarga Hass ist Coach und Supervisorin beim Marburger Kreis und bei Crossover und zuständig für etwa 450 Leitende von Hauskreisen. Sie mag Freizeiten und Seminare, bei denen Menschen sich und Go begegnen und nähern können und Leben geteilt wird. (www.lebendigmutigecht.de)