Leitungsfrische

Marga Haß erlebt, was passiert, wenn Menschen am richtigen Platz sind.

Plötzlich war allen klar: Das sind die neuen Leiter! Einer aus dem Team der Ältesten kam auf den Gedanken, sie zu fragen … und sie sagten zu! Sie selber hatten diese Frage für sich im Stillen auch schon bewegt und fühlten sich hier von Gott herausgefordert. Nun sind sie nicht nur Leitende eines Hauskreises, sondern sie werden für mehrere Hauskreise eine übergeordnete Organisationsstruktur leiten. Wozu? Sie sagen schlicht: „Wir wünschen uns geistliche Lebendigkeit.“ Bei genauerem Hinhören bekomme ich mit, dass sie einem „Vorsichhindümpeln“ entgegenwirken wollen. Sie möchten Menschen einen Rahmen bieten, die geistlich wachsen und sich dabei verbindlich in eine Gemeinschaft einbringen wollen.Seitdem klar ist, dass sie diese Leitungsaufgabe übernehmen, erlebe ich sie sehr begeistert. Sowohl im Beten, als auch im Gespräch mit den anderen bereits vorhandenen Hauskreisleitern. Sie reden mit jungen Leuten, mit älteren, mit frisch Bekehrten und Neuhinzugezogenen, sie reden mit anderen Leitern ihrer Art, um sich auszutauschen, neue Ideen zu generieren und wieder zu beten und zu prüfen: „Herr, was stellst du dir für uns vor? Für die Menschen, die um uns herum leiten und leben?“ Ihre Leidenschaft und ihre Hoffnung stecken an. Sie wollen das, was gut funktioniert, bewahren, und gleichzeitig sind sie bereit, alles zu hinterfragen: „Wie kam es zu diesen Leitungsstrukturen? Dienen die Strukturen unserem Auftrag? Wer von euch bisherigen Leitern macht diese Aufgabe richtig gerne, wer ist eher gehorsam und pflichtbewusst? Wer sticht uns aus der Gruppe an Menschen ins Auge und warum? Gibt es besondere Gaben, Schwerpunkte, Faibles? Können sich die jungen Leute vorstellen, mit älteren zusammen in einem Hauskreis zu sein oder mögen sie eine Gruppe in ähnlicher Altersstruktur? Wo blockieren sich Menschen gegenseitig?“ Und sie bewegen auch, was sie selber brauchen, um gut leiten zu können: „ Brauchen wir ein Team um uns, um einen geistlichen Adlerblick auf diese Region einzunehmen? Wollen wir uns coachen lassen – besonders jetzt am Anfang unsererLeitung? Bei wem haben wir den Eindruck, dass er es schwer mit unserer Leitung hat? Mit wem sollten wir noch mal Gespräche führen? Wen wollen wir in unserem Team haben, und wie könnte eine Teamstruktur aussehen, die uns allen dient? Wollen wir alle Hauskreise besuchen, oder zerreibt uns das? Haben wir ein besonders Anliegen?“

Großartig, wenn so etwas passiert! Gleichzeitig stelle ich fest, wie aufwühlend eine neue Leitung ist, wenn sie bereit ist, jeden Stein des Strukturgebildes hochzuheben, wenn nötig zu säubern, umzudrehen oder (neu) zu sortieren … Diejenigen, die schon lange dabei sind, fragen sich, ob jetzt alles neu wird? Ob sie noch „richtig“ und erwünscht sind? Ob genug Gewohntes bleibt, um sich vertraut zu fühlen? Alles kommt in Bewegung. Innerlich und äußerlich, und es braucht viele Gespräche, um sich anzunähern, einen gemeinsamen Weg in allem zu finden. Es ist aufwändig, so zu leiten. Gleichzeitig bringt das eine enorme Antriebskraft mit und die Bereitschaft, sich Gott zur Verfügung zu stellen, ist erfrischend anstößig. Leiter zu erleben, die Gott gefallen und den Menschen dienen wollen, ist eine große Freude!

Marga HassMarga Haß ist Coach und Supervisorin beim Marburger Kreis und bei Crossover und zuständig für etwa 450 Leitende von Hauskreisen. Sie mag Freizeiten und Seminare, bei denen Menschen sich und Go begegnen und nähern können und Leben geteilt wird. (www.lebendigmutigecht.de)