Wie klopft Gott bei uns an?

Marga Hass begibt sich mit drei Frauen auf die Suche nach Botschaften von oben.

Seit ein paar Monaten haben wir einen neuen Hauskreis begonnen. Drei Frauen Ende 20 kommen zu mir, die sich noch nicht festlegen mochten darauf, wer Gott ist und wer Gott für sie ist. Sie spürten aber irgendwie, dass sie an dem Glaubensthema in ihrem Leben dranbleiben wollten.

Die Frage war, wie wir Gott wahrnehmen und kennenlernen können? Natürlich fällt uns alten Hasen sofort die Bibel als Wort Gottes ein. Die Heilige Schrift war aber nicht für jede ein Anreiz oder gar ein naheliegender Einstieg. Wir waren auf der Suche danach, wie Gott im Alltag erkennbar, spürbar und erlebbar ist. Uns allen war klar, dass Gott wahrscheinlich viel häufiger auf sich aufmerksam macht, als wir es wahrnehmen. Und wir haben uns gefragt, welchen Weg er wählen könnte, um uns zu unterbrechen und bei uns anzuklopfen?

Ich erzählte von der geistlichen Übung: „Gebet der liebenden Aufmerksamkeit“ (nach Ignatius von Loyola). Uns wurde dadurch deutlich, dass unser Alltag die Plattform für die Begegnung mit Gott ist. Wir wollten uns die Frage stellen, was Gott durch die Dinge sagen will, die wir lieber übersehen und ignorieren. Könnte Gott durch die Dinge sprechen, die uns keine Ruhe lassen? Emotionen wie Angst, Wut, Freude, Mitgefühl, Bewunderung, Eifersucht, Verachtung oder auch Neid bringen uns erst einmal durcheinander. Sie lassen uns „stolpern“ in unseren normalen Abläufen. Will Gott unsere Emotionen nutzen, damit wir aufmerksam werden auf etwas, worüber er mit uns ins Gespräch kommen will? Will Gott durch Situationen sprechen, die uns erfreuen und neue Kraft geben, aber auch durch das, was uns deprimiert und auszehrt? Wir entschlossen uns zu einem Experiment: Wir versuchen, größere und kleinere emotionale Stolperer aus unserem Alltag zu notieren. Schnell, kurz, zeitnah – ohne Beschönigungen oder Analysen. Bei unserem nächsten Treffen sucht sich jede drei markante Stolperer aus, erzählt in der Runde davon und fragt Gott, warum sie in diesem Moment so aufgebracht war. Es erfordert ganz schön viel Mut, diese Dinge miteinander zu teilen. Die Fassade bröckelt … – das Bild, wie man gerne sein würde, weicht dem, wie man gerade ist. Und durch diese Offenheit sind wir uns sehr schnell sehr nah gekommen.Am Hauskreisabend ist es unser Ziel, uns gegenseitig nur Fragen zu stellen. Wir wollen uns dadurch gegenseitig unterstützen, damit jede herausfinden kann, ob die eine oder andere Situation eine Unterbrechung Gottes gewesen sein könnte … und worauf er uns aufmerksam machen möchte. Es ist gar nicht so leicht, wirklich beim Fragen zu bleiben, weil wir selbst unendlich viele Ideen, Vorschläge und Meinungen füreinander haben. Am liebsten würden wir gleich selber sagen, was diese Emotion für die eine oder andere bedeuten könnte und was Gott ihr damit sagen will … Aber wir sind unterwegs. Am Ende beten wir füreinander und notieren uns jeweils ein Anliegen der anderen, um unter der Woche für einander zu beten.

In der Zwischenzeit hat jede dieser Frauen gespürt, dass sie mit Gott keine halbe Sache machen will, und wir alle haben unser Leben noch mal neu an ihm festgemacht. Wir haben erkannt: Unsere Ideen, worüber Gott mit uns ins Gespräch kommen will, sind stark davon abhängig, wie wir uns Gott vorstellen. Jetzt wollen wir doch die Bibel zu Rate ziehen. Auch wenn es der einen oder anderen schwer fällt. Durch sie will Gott sich uns ja ebenfalls bekannt machen. Wir wollen nicht bei uns selber stehen bleiben, sondern auch andere Quellen einbeziehen, die Gott nutzt, um ihn noch besser kennenlernen zu können.

Marga Hass

Marga Hass ist Coach und Supervisorin beim Marburger Kreis und bei Crossover und zuständig für etwa 450 Leitende von Hauskreisen. Sie mag Freizeiten und Seminare, bei denen Menschen sich und Go begegnen und nähern können und Leben geteilt wird. (www.lebendigmutigecht.de)